Schwimmbäder sind gerade im Sommer ein beliebter Ort für Freizeit- und Sportspaß. Doch nicht nur bei warmen Temperaturen strömen die Menschen ins Wasser. Hallenbäder sind ganzjährig Anlaufstellen für Sport und Erholung. Doch damit die Bäder sauber und hygienisch bleiben, ist im Hintergrund eine Menge Wartungsarbeit nötig.
Besonders wichtig: Die Wasseraufbereitung mit Chlor. Das Chlor beseitigt eine ganze Reihe von Verunreinigungen und ist gleichzeitig in den eingesetzten Mengen gesundheitlich unbedenklich. Dafür wird die Substanz dem Badewasser aus Druckgasflaschen zugesetzt. Ist eine dieser Gasflaschen leer, muss sie ausgetauscht werden. Dieser Prozess sollte intensiv geübt werden, um Zwischenfälle zu vermeiden – denn Chlorgas in Reinform ist wiederum stark gesundheitsgefährdend und darf daher nicht entweichen.
Die Nürnberger Stadtbäder gehören zu den zahlreichen Badeanstalten in ganz Deutschland, die für genau diesen Fall trainieren müssen. Doch das Problem ist: Praktische Gelegenheiten für den Gasflaschenwechsel kommen nicht allzu oft vor. Sie sind nur möglich, sobald eine Flasche auch tatsächlich leer ist – für regelmäßige, verlässliche Übungseinheiten passiert das meist zu selten.
Zusätzlich ergeben sich weitere Probleme: Das Verhalten bei Gaslecks lässt sich nicht gut üben – dafür ist ausströmendes Chlorgas schlicht zu gefährlich. Außerdem sind Trainingseinheiten an den Standort der Flaschen gebunden und können nicht einfach überall durchgeführt werden. Laut Stefan Grodzki, dem zuständigen Ausbildungsleiter bei NürnbergBad, fehlte es bislang schlicht an praktikablen Alternativen, mit denen sich solche Übungseinheiten möglichst zeit- und ortsunabhängig unter sicheren Bedingungen durchführen lassen.
Es brauchte also eine unkomplizierte, immer verfügbare und ungefährliche Lösung für die Übung der Flaschenwechsel.
Ein neuer Trainingsansatz mit VR
Diese Lösung fand sich in einer Zusammenarbeit mit der Immerzed GmbH. Das Hamburger Unternehmen spezialisiert sich auf die Entwicklung von maßgeschneiderten, individuellen Virtual-Reality-Anwendungen für den Ausbildungsbereich. In einem ersten Gespräch Ende 2025 entwarfen beide Seiten eine gemeinsame Projektskizze. Das Team von Immerzed hatte sich zunächst einen Überblick über die Probleme der Badbetreiber verschafft, die es zu lösen galt. Festgelegt wurden anschließend die gewünschten Inhalte und Funktionen, ein Zeitplan im Sprint-Format mit realistischen Zwischenzielen und der Möglichkeit für Kurskorrekturen “on the go”.
In der Ausarbeitung der Trainingssimulation konnte Immerzed auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz aus der Entwicklung einer eigenen Anwendung zurückgreifen. Dementsprechend produktiv gingen die Arbeiten in den Wochen und Monaten nach Projektstart voran. Während dieser Zeit gab es in regelmäßigen Abständen Gespräche mit den Verantwortlichen bei NürnbergBad, um Qualität und Zielrichtung der Arbeiten zu prüfen. In enger Abstimmung haben beide Partien alle Zwischenschritte immer wieder evaluiert und dann neue Eckpfeiler für den nächsten Sprint festgelegt. Diese Vorgehensweise stellt nicht nur den Schlüssel zu einer vertrauensvollen und kooperativen Zusammenarbeit dar, sondern führt in der Konsequenz auch zu einem hochwertigen und lösungsorientierten Endprodukt.
Chlorgasflaschen-Simulation auf höchstem Niveau
Dieses Endprodukt war nach wenigen Wochen einsatzbereit. Nicht nur das Tempo bei der Entwicklung war hoch, der Funktionsumfang der Trainingsanwendung kann sich ebenfalls sehen lassen:
- Schritt-für-Schritt-Simulation aller notwendigen Maßnahmen zum Wechsel einer Gasflasche, inklusive benötigter Werkzeuge und Aufräumfunktion
- Training wahlweise mit Anleitung zum Erlernen von Fähigkeiten oder ohne Hilfestellung, um bestehendes Wissen abzurufen
- Fehlbedienung möglich; realistischer Austritt von Gas und Alarm bei zu hohen Konzentrationen
- Support für Controller und Hand Tracking, intuitive Steuerung, platzsparende Trainingsumgebung
“Die Endabnahme entspricht unseren Vorstellungen. Wir durften das Produkt großzügig testen und Änderungswünsche wurden problemlos umgesetzt”, kommentiert Grodzki die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Immerzed.
Aktuell weist der Ausbildungsleiter die ersten Nutzerinnen und Nutzer in die Grundlagen der Virtual Reality ein. Eine umfassende Evaluierung der praktischen Nutzung im Ausbildungsbetrieb steht noch aus, die Vorzeichen sind allerdings vielversprechend. In den ersten Testläufen zeichnet sich bereits ab, dass Auszubildende deutlich besser beim Erlernen von Fachbegriffen abschneiden, wenn sie parallel in Virtual Reality trainieren: “Die VR-Lösung kommt bei unseren Auszubildenden sehr gut an, da es ein echtes Hilfsmittel mit Praxisbezug ist.”
Hohe Motivation und Spaß am Lernen sind wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. In Kombination mit der einfachen Handhabung, der räumlichen Unabhängigkeit und den Darstellungsmöglichkeiten, die nur in VR denkbar sind, steht die neue Trainingsmethode unter einem guten Stern. Gegen Ende des Jahres wird ein umfassendes Resümee erwartet, wie die Anwendung sich im realen Einsatz schlägt. Doch bereits jetzt ist das Projekt ein eindrucksvoller Beweis für Nützlichkeit und Mehrwert von Virtual Reality in der beruflichen Ausbildung.
Druckgasflaschenwechsel Showcase
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