MANV-Training per Notfallsimulation

MANV-Übungen binden viele Ressourcen und werden daher eher selten geübt. Wir erklären, wie Virtual Reality hier Abhilfe schaffen könnte.

Terroranschläge, Amokläufe, hybride Kriegsführung – es sind Horrorszenarien, deren Eintritt sich niemand wünscht. Und doch ist gerade in unserer heutigen Zeit das Risiko leider höher denn je. Gerade deswegen ist es unabdingbar, dass Feuerwehren, Rettungsdienste und andere Einrichtungen solche MANV-Trainings durchführen, damit sie im Ernstfall eine schnelle und reibungslose Notfallversorgung gewährleisten können.

Das Problem ist: Solche Großschadenslagen zu trainieren, ist aufwendig, teuer und bedarf langer Vorlaufzeiten. Bereits 2019 warnte die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) vor hohen Kosten von bis zu 100.000 Euro pro Übung in Krankenhäusern, gepaart mit einer praktisch kompletten Stilllegung des regulären Klinikbetriebs. Eine neuere Umfrage des NDR zeigt, dass sich seither an diesen Zahlen wenig geändert hat.

Zudem wird viel Personal vor, während und nach der Übung gebunden. Laut einem Leitfaden des DRK (Tabelle S. 37) werden bei einer Vollübung der Stufe IV mindestens 50 Personen benötigt – alleine an Mimen, Rettungskräften und Notärzt:innen. Taktische Einheiten, andere Sicherheitsorgane und externe Dienstleister:innen sind da noch nicht mitgerechnet. Da ist es kein Wunder, dass solche Übungen im großen Maßstab oft nur ein- bis zweimal im Jahr durchgeführt werden – wenn überhaupt, da die Ressourcen, mit denen verschiedene Dienste und Verbände ausgestattet sind, bundesweit stark schwanken.

VR-Simulationen können helfen

Ein möglicher Ansatz zur Lösung dieser Probleme liegt in der Verwendung von Virtual Reality. Die Vorteile solcher Systeme sind vielfältig:

  • Ortsunabhängigkeit – In der virtuellen Welt lassen sich auch große MANV-Lagen simulieren, ohne dass in der echten Welt viel Platz bereitgestellt werden muss. Mit Multiplayer-Funktionen können auch räumlich getrennte Teilnehmer:innen an einer einzelnen Übung teilhaben
  • Individualisierbarkeit – Details und Parameter einer Übung lassen sich nach Bedarf flexibel und ohne großen Aufwand anpassen, so etwa beispielsweise die Anzahl der Verletzten oder Schweregrad der Verletzungen
  • Realismus – Virtual Reality kann Großschadenslagen lebensnäher darstellen, als das z.B. mit Puppen und Zetteln der Fall wäre. Glaubhafte Szenarien und Hintergründe lassen sich einfach austauschen oder anpassen. Auch Animationen und Geräuschkulisse bilden Ablenkungs- und Stressfaktoren realistischer ab; gleichzeitig bietet VR dennoch eine für die Anwender:innen abgesicherte Umgebung
  • Ressourceneinsparungen – Mit Virtual Reality sinkt der Personalaufwand für MANV-Trainings deutlich, da etwa Anweisungen und Bewertungen aus der Ferne vorgenommen werden können oder keine Mimen für Verletzte gebraucht werden; auch Verbrauchsmaterial kann einfach simuliert, unbegrenzt reproduziert und damit eingespart werden

Diese Vorteile können in ihrer Summe Rettungsdienste, Katastrophenschutz und andere Organisationen deutlich entlasten. Folglich sind deutlich häufigere Übungen mit einer großen Zahl an Teilnehmer:innen möglich, ohne dass an Inhalten oder Qualität der Trainings gespart werden muss. In der Konsequenz kann eine bessere, schnellere und effektivere Versorgung im Ernstfall gewährleistet werden.

Skill-Labs sind ein guter Anfang

MANV-Übungen sind vielschichtig und komplex. Daher sollte nicht nur das große Ganze Gegenstand der Betrachtung sein. Individuelle Fähigkeiten im kleinen Maßstab sind äußerst wichtig, da sie die Grundlage bilden. Die Fähigkeit zur Vorsichtung etwa sollte am Anfang stehen und individuell stattfinden. Ob PRIOR, mSTaRT oder ESI, verschiedene Sichtungsalgorithmen brauchen verschiedene Kriterien und Skills, die gefestigt werden müssen.

Zu diesem Zweck bietet sich ein Format wie das Skill-Lab an, das genau solche Individualfähigkeiten intensiv und ausführlich trainiert. Solche Labs sind in der medizinischen Ausbildung schon länger gang und gäbe, sind aber heute auch problemlos in VR möglich. Das bringt neben den allgemeinen Vorteilen von Skill-Labs auch die oben genannten, VR-spezifischen Vorteile mit sich.

VR-Training für MANV

Egal ob Amoklage, Gasexplosion oder Zugunglück – mit Virtual Reality lassen sich MANV-Übungen mit vergleichsweise wenig Aufwand für viele Teilnehmer:innen simulieren. Daneben eignet sich die Technologie aber auch hervorragend, Individual- und Basis-Skills zu trainieren, die am Ende zur erfolgreichen Bewältigung einer MANV-Lage unabdingbar sind.

Unsere High-End-Notfallsimulation VRescue stellt aktuell ein Skill-Lab mit diesem Fokus bereit. Hier können Trainierende ihre Fähigkeiten zur Vorsichtung nach PRIOR und mSTaRT intensiv üben, um im Ernstfall gewappnet zu sein.

Für die Zukunft ist eine deutliche Erweiterung der Übungen für Sichtung und Triage – auch in größerem Maßstab – geplant, da das Interesse an solchen virtuellen Übungsmöglichkeiten hoch und der Bedarf noch höher ist.

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